Es heißt, dass die Doktrinen der Seelenwanderung und des Zeitkreislaufes, oder der Ewigen Wiederkehr, von Paramnesia, einem plötzlichen, beunruhigenden Gefühl, schon einmal im gegenwärtigen Moment gelebt zu haben, angeregt wurden. In Buenos Aires, um 18:30 und 22:45, gibt es keinen einzigen Kinobesucher, egal wie vergesslich er auch sein mag, der diesem Gefühl nicht erliegt.

Jahrelang beschränkte sich Hollywood, wie auch die griechischen Tragiker, praktisch auf zehn bis zwölf Handlungen: der Aviator, der mit Hilfe einer zweckdienlichen Katastrophe stirbt, um den Freund, den seine Frau liebt, zu retten; die hinterhältige Tippistin, die zwar geschenkte Pelze, Apartements, Diademe und Autos annimmt, dann aber den Gebenden schlägt oder tötet wenn er "zu weit" geht; der entsetzliche und berühmte Reporter, der die Freundschaft eines Kriminellen sucht mit der Absicht ihn zu betrügen und an den Galgen zu bringen...

Das letzte Opfer dieser beunruhigenden Askese ist Miss Bette Davis. Sie musste die folgende Romanze ausführen: eine Frau, gebeugt von der Last ihrer Brille und ihrer tyrannischen Mutter, empfindet sich als fade und hässlich; ein Psychiater (Claude Rains) überredet sie zu einem Urlaub unter Palmen, Tennis zu spielen, Brasilien zu sehen, ihre Brille abzulegen, die Schneiderin zu wechseln. Das fünfteilige Verfahren geht auf: der Schiffskapitän, der sie zurück nach Hause bringt, wiederholt mit offensichtlicher Wahrhaftigkeit, dass keine der anderen Damen an Bord so erfolgreich wie Miss Davis sei. Vor dieser Bekräftigung bittet eine ehemals schrecklich sarkastische Nichte schluchzend um Vergebung. Schließlich breitet sich die dreiste These des Films über die Leinwände der entferntesten Lichtspielhäuser: Entstellt, Miss Davis hat an Schönheit verloren.

Die verunstaltete, von mir zusammengefasste Komödie heißt Now Voyager. Regie führte ein gewisser Irving Rapper, der möglicherweise durchaus kein Narr sein mag. Leider werden auf diese Weise die tragischen Heldinen von The Little Foxes, The Letter, Of Human Bondage herabgesetzt.

Der Film Nightmare ist weniger ergeizig und leichter zu ertragen. Er beginnt als Detektivfilm; er verschwendet keine Zeit um in einen verantwortungslosen Abenteuerfilm zu entgleisen. Er leidet unter dem Mangel an beiden Genren; er hat eine einzige Tugend - nicht dem genre ennuyeaux anzugehören. Die Handlung ist eine von jenen, die den Zuschauer schon hundertmal überraschten: das Duell eines hübschen Mädchens und eines Durchschnittstypen mit einer übermächtigen und heimtückischen Gesellschaft - vor dem Krieg war es China und nun die Gestapo oder die internationalen Spione des Dritten Reichs. Zwei Zwecke verfolgen die erfolglosen Regisseure solcher Filme: Erstens wird offenbart, dass die Orientalen (oder die Preussen) die Perfektion von Böse und die Perfektion von Intelligenz miteinander vereinigen und zweitens, dass kein Mann mit ein bisschen gutem Willen fehlschlagen wird diese zu überlisten. Diese widersprüchlichen Propositionen heben sich gegenseitig auf. Verschiedenartige Gefahren bedrohen die Heldin und den Helden. Diese Risiken erweisen sich natürlich als fingiert und wenig effektiv, da dem Zuschauer klar ist, dass der Film eine Stunde andauern muss -- eine glänzende Tatsache, die den Protagonisten eine Langlebigkeit oder Unsterblichkeit von sechzig Minuten garantieren. Noch eine Eigenschaft, die Filme dieser Art entkräften ist die übermenschliche Courage der Protagonisten: es wird ihnen mitgeteilt, dass sie sterben werden, und sie lächeln. Das Publikum lächelt ebenfalls.